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25.06.2010

Ökostrom auch wirtschaftlich sinnvoll? Photovoltaik bringt kaum Wachstumsanreiz

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hat die Verbreitung von Ökostrom deutlich vorangebracht. Zahlreiche Staaten, darunter allein 18 EULänder, haben diese Form der staatlichen Unterstützung mittlerweile nachgeahmt. Als Instrument der Wirtschaftsförderung ist das EEG allerdings nicht auf allen Gebieten gleich gut geeignet, wie das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) herausgefunden hat: So ist die Ankurbelung der Windkraft relativ wirkungsvoll, die finanziellen Hilfen für den Solarstrom taugen dagegen weniger.

Als das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) im Jahr 2000 in Kraft trat, betrug der Anteil regenerativer Energien an der deutschen Stromerzeugung gerade mal etwas mehr als sechs Prozent. Heute stammen rund 16 Prozent des Stroms aus grünen Quellen. An der Effektivität des Regelwerks besteht somit kein Zweifel: Es kurbelt die nachhaltige Stromproduktion nachweislich an.
Doch wie effizient ist es ökonomisch gesehen? Und was bringt das EEG im Vergleich mit der herkömmlichen Wirtschaftsförderung? Diese Fragen hat das IW Köln untersucht.

Um die unterschiedlichen Instrumente – einerseits die Regelungen des EEG, andererseits die klassische Wirtschaftsförderung wie die allgemeinen Investitionszuschüsse für Produktionsanlagen – miteinander messen zu können, braucht man einen Vergleichsmaßstab: In diesem Fall eignen sich dazu die zusätzlichen privaten Investitionen, die durch die einzelnen Subventionen angestoßen werden. Dabei zeigt sich (Grafik): Die Förderung von Windenergieanlagen weist von allen untersuchten Instrumenten die größte Hebelwirkung auf. So zog ein Euro, der in die EEG-Förderung für Windräder floss, im Jahr 2007 je nach Szenario 1,70 Euro bzw. 2,60 Euro zusätzliche private Investitionen nach sich.

Dass es zu unterschiedlich hohen Fördereffekten für die Windparks kommt, hängt damit zusammen, dass die Betreiber von energetischen Stromanlagen von der Unterstützung nicht auf einen Schlag, sondern über 20 Jahre lang verteilt profitieren. Die genaue Höhe der EEG-Förderung lässt sich deshalb nicht exakt vorhersagen, weil sie von diversen Parametern wie etwa der Entwicklung des Strompreises abhängig ist. Im Fall der geringeren Investitionseffekte wurde ein vergleichsweise moderater Anstieg der Strompreise bis zum Jahr  2027 unterstellt; in einem Basis-Szenario, bei dem sich der Preis für Strom „normal“ entwickelt, sind die induzierten Investitionen deutlich höher. Außerdem wurden keine Abnahme- und Preisrisiken in der Szenariorechnung für die Windmüller berücksichtigt – auch dies könnte zu den guten Werten der Windenergie beigetragen haben, die somit eine Obergrenze darstellen.

Im Mittelfeld landen die traditionellen Förderinstrumente, wobei hier die direkte finanzielle Hilfe in Form eines Investitionszuschusses am besten abschneidet: Jeder in die Wirtschaftsförderung gesteckte Euro führte 2007 zu rund zwei Euro zusätzlichen privaten Investitionen.

Ganz anders sehen die Ergebnisse dagegen für die Sonnenenergie aus: Die EEG-Vergütungen für Strom aus Photovoltaikanlagen lösten nämlich überhaupt kein weiteres privatwirtschaftliches Engagement aus – im Gegenteil: Die Förderung ist über die Laufzeit der Anlage gerechnet höher als die notwendigen Investitionen. Allein schon aus diesem Grund ist die von der Bundesregierung geplante Kürzung der Solarförderung sinnvoll.

Staatliche Anschubfinanzierungen lösen jedoch nicht nur direkte Fördereffekte aus. Zusätzlich gibt es auch noch indirekte volkswirtschaftliche Effekte – durch die bessere Umweltbilanz beispielsweise sinken die Kosten im Emissionshandel.
Doch auch auf Faktoren wie die zusätzliche Produktion, die Wertschöpfung und die Beschäftigung wirkt sich das Erneuerbare-Energien-Gesetz aus. Konkret berechnet wurden diese drei Effekte für vier Szenarien der Windenergieförderung, die sich hinsichtlich der Strompreisentwicklung und der Höhe der gezahlten Vergütungssätze für die Bio-Stromproduzenten unterschieden.
Hintergrund ist, dass die Fördersätze für erneuerbare Energie Anfang 2009 erhöht wurden, um den Anteil regenerativer Energien an der Stromversorgung bis 2020 auf mindestens 30 Prozent anzuheben.
Hierbei zeigte sich Folgendes: Die höheren Vergütungssätze für Öko-Strom im Jahr 2009 haben die Effizienz des EEG als Instrument der Wirtschaftsförderung deutlich geschwächt – so verringerten sich sowohl die zusätzliche Wertschöpfung als auch die induzierte Beschäftigung fast um die Hälfte. Alle drei Größen sanken je nach Strompreisszenario um 45 bis 50 Prozent. Die Erhöhung der Einspeisesätze im Jahr 2009 hat damit offensichtlich zu einem Verdrängungseffekt geführt: Nunmehr werden Investitionen öffentlich finanziert, die unter den alten Förderbedingungen noch privat zustande gekommen waren.

IW Köln

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